Donnerstag, 25. Dezember 2008
168 Kerzen
Alle Jahre wieder.
Alle Jahre wieder am ersten Weihnachtstag freue ich mich auf ihn und seine 168 Kerzen. Ein kleiner alter Mann, einer von denen, die verzweifelt versuchen, ihren Haarausfall dadurch zu kaschieren, indem sie sich ein paar längere Strähnen quer über den Kopf kämmen. Eine Methode, von der jeder doch eigentlich ganz genau weiß, dass sie nicht funktioniert, aber dennoch begegnet man doch immer wieder ein paar Menschen, die sie praktizieren. Jedes Jahr an Weihnachten beobachte ihn dabei, wie er all die Kerzen anzündet, 168 an der Zahl. Wie er leise scheppernd seine Leiter aufstellt unter jedem der insgesamt acht Leuchtern. Eine halbe Stunde etwa ist er damit beschäftigt, mit ganz viel Ruhe und Bedachtsamkeit.
Als ich vor ein paar Monaten zum ersten Mal außerhalb der Weihnachtszeit in dieser Kirche gewesen bin, war ich regelrecht erschrocken, denn die Kerzen waren nicht da, die Leuchter nicht, nicht die langen Stahlseile, an denen sie befestigt sind und auch der alte Mann nicht. Elektrisches Deckenlicht stattdessen und ich fragte mich, wo sind all die Leuchter hin? Ist womöglich dem alten Mann etwas zugestoßen und kein anderer war bereit, die mühsame Prozedur des Anzündens zu übernehmen?
Doch schon bei der Probe durfte ich letzte Woche feststellen, dass sich alles in bester Ordnung befindet, dass das eben einfach eine spezielle Weihnachtssache ist mit den Kerzen. Heute nach der Messe sprach ich ihn an und ließ mir beschreiben, wie er sich ganz ganz oben in die Deckenkonstruktion des Kirchendaches einhängen muss, wie ein Bergmann gesichert, um die einzelnen Stahlseile herunterzulassen, alle Jahre wieder. Und dass er sich Sorgen mache um den ganzen Rußausstoß, den diese Kerzenweihnachtssache fabriziert. Dass das doch alles hochsteigt an die Decke des Kirchenraumes, all dieser Ruß, welch eine Umweltbelastung.
Ob er diese ganz besondere Stimmung wohl noch wahrnimmt? All die 168 Kerzen und dazu noch deren Spiegelung in den Glastüren des Eingangsportals.
Ein sehr schönes Bild, alle Jahre wieder.

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Nur Weihnachten kann man Kerzen wirklich riechen. Vielleicht ist das auch einer der vielen Gründe, warum viele Menschen nur Weihnachten in die Kirche gehen wollen.
Über die Glatze gelegte Haare verbinde ich immer mit meinem alten Erdkundelehrer. Ich bin mir sicher, dass mit viel geographisches Grundwissen fehlt, weil ich mir immer seinen Kopf angesehen habe und mir vorstellte, wie sich im Freien wohl eine heftige Windbö auswirken könnte.
Ich finde übrigens, dass es kaum noch Herren gibt, die diese Kaschierungsmethode anwenden. Vielleicht sollte ich mal wieder meinen Blick dafür schärfen.

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