Mittwoch, 19. November 2008
Für jeden Topf ein Deckelchen
Versuchen Sie mal, einen Topf zu kaufen. Klein soll er sein. Und dann noch einen zweiten Deckel gleicher Größe dazu. Sachen bekommen Sie da erzählt, Sachen! Nein, also das geht ja gar nicht, einen Extradeckel wollen Sie? Nein. Den müssten wir bestellen. Dass das aber durchaus ok für mich sei, das mit dem bestellen, meinte ich. Stand mir denn etwa auf der Stirn geschrieben, dass ich den Extradeckel jetzt sofort brauche, dass ich einen Aufstand mache, wenn ich nicht innerhalb von fünf Minuten den Laden mit Topf und zwei dazu passenden Deckeln verlassen würde? Ja, heiß ich denn Frau Schöneberger, von der ich eine Stunde zuvor noch im Klatschblatt beim Friseur erfahren durfte, wieviele Abendkleider im Jahr sie sich gönnt und dass sie überhaupt so wahnsinnig gerne shoppen ginge, aber nix auf Bestellung, nein, es müssten schon alles Dinge sein, die sie direkt und sofort mitnehmen könne in ihr schönes Zuhause, in dem sie sich Pflanzen auf den Balkon pflanzt, auch wenn die drei Tage später vielleicht schon erfrieren.
Nein, ich heiße nicht Frau Schöneberger und darum kann ich warten auf meinen Extradeckel. Und meine Rosen werden auch nicht erfrieren, denn die hab ich sicherheitshalber schon mal reingeholt.

Aber so ein Deckel, der kommt Sie unter Umständen teurer als ein ganzer Topf! Mit solchen Sprüchen können Sie mich jagen. Der Extradeckel kostete zwar zwei Drittel des reduzierten Kompletttopfes, aber zwei Drittel sind zwar vielleicht relativ gesehen ziemlich viel für so ein Deckelchen, aber doch eben nur zwei Drittel und nicht mehr als hundert Prozent.
Dann mal schnell zum Preis des Topfes den des Deckels addiert, und schon hatte ich eine Bezugsgröße, die ich mit den Werten der noch auf mich wartenden Topfverkaufsfrauen (jede Firma hatte in diesem Warenhaus ihre eigene Expertin aufgestellt) vergleichen können würde. Schlägt die doch aber tatsächlich die Hände über dem Kopf zusammen angesichts meiner Bezugsgröße. Also, dafür könnten Sie doch gleich besser für ein paar wenige Euro mehr ein ganzes Set nehmen! Nehmen Sie das Set, da haben Sie fünf Töpfe!
Ein paar Euro mehr? Von wegen. Fast das Doppelte hätte solch ein Set gekostet! Außerdem hätte ich dann immer noch einen kleinen Deckel zu wenig und vier Töpfe zuviel, für die ich überhaupt keine Verwendung habe. Und tschüss. Andrehen lassen mag ich mir nix.

Die nächste Verkäuferin war besser. Bei ihr gabs sogar Deckel direkt zum Mitnehmen in der Auslage, das wäre was gewesen für Frau Schöneberger, allerdings leider nicht für mich, denn die fand ich dann doch ein bisschen zu teuer. Es sei aber kein Problem, andere Deckel zu bestellen. Glas oder Metall? Was da denn die Vor- und Nachteile seien, wollte ich mich belehren lassen von der Fachfrau. Och, das sei eigentlich nur Geschmackssache, meinte sie vollkommen unprätentiös und wurde mir immer sympathischer. Da ich ja ohnehin zwei Deckel brauche, konnte ich nun also einfach so einen und so einen nehmen und würde so im Laufe der Zeit allmählich herausfinden können, ob ich mich eher zu einer Glas- oder Metalldeckelnutzerin hin entwickle. Bezugsgröße erstellt, auch hier schnitt Topffrau Nummer Zwei besser ab als die Kollegin zuvor und ich machte mich auf den Weg zu Topffrau Nummer Drei.

Zugegebenermaßen hatte Topffrau Drei kein leichtes Spiel mit mir. Gewissermaßen war ich ja inzwischen bereits eine erfahrene Topfkundin. Und hartnäckig mit meinem Wunsch nach einem 16er-Topf. Fast ebenso hartnäckig versuchte die Dame allerdings, mir allerlei anderes Zeug andrehen zu wollen. Einen ganz supertollen Topf zeigte sie mir. Dass der viel zu groß war und somit überhaupt kein bisschen der von mir gewünschten Größe entsprach, war ihr völlig egal. Und auf das Angebot eines obligatorischen Topfsets musste ich bei ihr natürlich auch nicht lange warten. Dann hatte sie auch noch Töpfe da aus so einem Spezialmaterial, die hatte ich vorher bereits schon ohne ihr Zutun in Ruhe inspiziert und für viel zu schwer empfunden. Dankend winkte ich also ab. Aber eine Soße kriegen Sie damit hin, eine Soße, die schmeckt! Als würden meine Soßen bislang noch nie geschmeckt haben, da ich nie einen dieser Monstertöpfe besessen hatte vorher. Frechheit! Daraufhin schleppte sie mich in eine Ecke, in der es aussah wie in einer Puppenstube mit niedlichen, winzig kleinen Spieltöpfchen. Schelmisch fragend blickte sie mich von der Seite an: Singlehaushalt?? Nein! Ich möchte einen 16er-Topf und zwei Deckel dazu und sonst gar nichts und ich glaube, wir werden uns hier nicht einig. Auf Wiedersehen.

Kaufhaus Nummer Zwei. Hier eine einzige Topfexpertin für alle Marken zuständig. Diese befand sich zwar gerade auf der Toilette, doch angesichts der Tatsache, dass ich nur ein einziges Topfverkaufsgespräch würde führen müssen, wartete ich gern. Außerdem hatte ich gerade das Erlebnis eines extrem erfolgreichen Wollumtauschs hinter mir, wodurch ich mich in allerbester Stimmung befand. Ha, sogar das bereits von mir angefangene Strickstück haben sie zurückgenommen. Es wurde zwar achtlos sofort und direkt von meinen Augen entsorgt und mir wurde auch nicht unbedingt beigepflichtet, dass die Qualität der Wolle nicht dem Standard entspricht, den man für diesen Preis erwarten kann, aber immerhin, Wolle hin und Geld zurück.
Erstaunlicherweise konnte die frisch von der Toilette zurückgekehrte Allroundtopffrau aus Kaufhaus Zwei die sympathische Topffrau Zwei aus Kaufhaus Eins preismäßig um Längen schlagen, beziehungsweise unterbieten, zumindest bezüglich des bestellbaren Extradeckels. Ich ließ mich nicht lange bitten und gab also die Bestellung auf. In ihren Unterlagen erhaschte ich nebenbei einen Blick auf die Einkaufspreise und fand, dass die für ein paar wenige verdiente Euro doch ganz schön viel Arbeit mit mir hatten. Besonders als ich erfuhr, dass ich sogar schriftlich benachrichtigt werden würde, wenn der Deckel dann schließlich zur Abholung bereitstehen würde. Besonders lustig fand ich dann noch, dass ich an der Service-Kasse bitte noch eine kleine Anzahlung leisten sollte, die lediglich aus einem einzigen Euro bestand. Als ob ich mich durch diesen Euro nun irgendwie gebunden fühlen würde.

Abschließend dann wieder zu Topffrau Zwei aus Kaufhaus Eins, um bei ihr einen 16er Topf zu erstehen, direkt und sofort und ohne Bestellung eines Extradeckels. Ohne weitere Fragen ihrerseits. Sehr angenehm.

... comment

 
Für manche dinge braucht man ja wohl auch 2, oder?

... link  

 
In der Liebe ist ein Einziger mir genug.
Dass Sie selbst zukünftig ganz auf Ihren Deckel verzichten möchten, ist ein unendlich traurig Ding.

... link  

 
Deckel sind austauschbar und nach interessanten geführten Gesprächen und der richtigen freundschaftlichen Beratung wird es für Sie ein einfaches und leichtes sein sich eine schöne Kolektion Deckel zuzulegen. Selbst ein Dr. der Deckel soll unterwegssein.
Mein Deckelchen ist leider zerbrochen.

... link  

 
Nicht zerbrochen, Herr Skippi, nur schwer erschüttert davon, dass Sie es so in die Ecke gefeuert haben.

... link  


... comment
 
Ich weiß jetzt nicht ganz, haben Sie nun zwei Töpfe oder zwei Deckel oder einen mit zwei Deckeln, davon einen in Kaufhause Drei und den Rest in Kaufhaus Zwei oder... mir wird als Mann ganz schwindelig. Hab's trotzdem ganz gelesen und sah mich wieder einmal daneben stehen, während Frau ihr Deckelchen sucht... (nein, ich bin verheiratet, glücklich sogar, soll's auch geben). Gruß, HarryG

... link  

 
*lach* Ja gibbet! Und schwindelig kann einem manchmal auch werden als Mann in Topfkaufhaeusern };-)

... link  

 
Kaufhaus bleibt Kaufhaus und Topffrau bleibt Topffrau
Nun, lieber HarryG, lassen Sie uns einen kleinen Ausflug in die Vergangenheit machen und schon wird Ihnen der Anlass meines Topf- und Deckelkaufs transparenter.
Was bisher geschah:
Einst besaß ich einen kleinen 16er Topf aus Edelstahl, genaugenommen war und ist es eine Kasserole. Mit Glasdeckel. Der Kindsvater, der damals noch keiner war, brachte einen zweiten 16er Topf mit in den Haushalt, aus Emaille und schon leicht ramponiert, aber dennoch funktionstüchtig. Dessen Deckel vor allem diente als Retter in der Not, als der Glasdeckel des Edelstahltopfes zu Bruch ging. Nein, keine Ehekrise oder ähnliches, jedenfalls damals noch nicht. Wir waren froh um den Emailledeckel, denn zwei 16er Töpfe hat man ja doch eher selten auf dem Herd und so wechselte der Deckel immer munter zwischen Emailletopf und Edelstahl, je nachdem welcher Topf gebraucht wurde; die beiden waren nämlich von unterschiedlicher Höhe. Ein bisschen nervig war es, wenn beide Töpfe im Einsatz waren, aber wie gesagt, das kam nicht häufig vor und irgendwie arrangierte man sich eben immer mit dem einen Deckel. Dessen Zustand mit den Jahren allerdings natürlich nicht besser wurde. Irgendwann im November ging der Deckel dann völlig aus dem Leim und auch der Topf nervte mich schon seit langem, da sein Boden hässliche rostbraune Kreise hinterließ, wo immer man ihn abstellte.
Nun hätte ich natürlich auch hergehen können und lediglich einen neuen Topf kaufen können mit einem Deckel und dieser Deckel wäre dann eben auch immer wieder hin und her gewandert zwischen den Töpfen, aber ich dachte mir, wenn ich schon in Sachen Topfkauf unterwegs bin, dann mach ich das jetzt auch mal richtig. So dass ich hinterher zwei Töpfe und zwei Deckel habe. Und da ich bereits einen Topf, aber keinen Deckel mehr besaß, mussten also ein weiterer Topf und zwei Deckel angeschafft werden.
Sollte ich Sie hiermit nun vollends verwirrt haben, seien Sie beruhigt, auch ich bin gerade sehr verwirrt, denn im Fernsehen wird gerade Frau Schöneberger erwähnt, an die ich sonst doch eigentlich nie denke, aber ausgerechnet in dem Moment, in dem ich einen Kommentar von Ihnen kommentiere zu einem Beitrag, in dem selbige Frau Schöneberger vorkommt, wird von ihr gesprochen. Sowas ist doch sonderbar.
Aber die Sache mit Kaufhaus Drei, ich glaube, da müssen Sie den Beitrag doch wohl nochmal genauer lesen. Und dabei bitte nicht die Anzahl der Kaufhäuser mit der Zahl der Topffrauen durcheinanderschmeißen! :-)

... link  


... comment