Montag, 19. Januar 2009
Zeitverschiebung
Keine Ahnung, ob das immer noch möglich ist, aber irgendwann ging das mal, da konnte man zweimal nacheinander den Jahreswechsel begehen. Zunächst in London, dann schnell mal eben mit der Concorde über den großen Teich gejetted und dann noch einmal große Feier in New York. Ich glaube, zur Jahrtausendwende war das, oder vielmehr zu Beginn des Jahres 2000. Die eigentliche Jahrtausendwende fand ja erst ein Jahr später statt, und Jeder, der es nicht wissen wollte, bekam das damals detailliert von mir erklärt.
Irgendwie so ähnlich habe ich es mit der Silvesterfeierei diesmal auch gehalten. Einmal Saarland, einmal Hessen, und da die Concorde nicht zu meinen üblichen Fortbewegungsmitteln gehört, lagen ganze zweieinhalb Wochen zwischen den beiden Veranstaltungen.
Feuerwerk, Luftschlangen, Sekt und Schokolade, zu später Stunde dann auch noch die härteren Sachen, also alles, was eine ordentliche Silvesterfeier braucht, einschließlich dem Ausharren bis in die frühen Morgenstunden, hatten wir am vergangenen Wochenende aufgefahren. Einzig auf Raclette und Bleigießen wurde verzichtet, doch zum Ausgleich wurden wir reich beschenkt mit hessischem Humor, dessen Wirkung dadurch, dass er akustisch völlig unverständlich war, schier unschlagbar war.
So also Silvester 2.
Tags darauf dann Neujahr 2.
Aufgewacht mit heftigem Kopfschmerz, der Killepitsch war schuld, und nein, Averna schmeckt anders, aber vielleicht wars auch der Whisky, der auch nicht nach Averna schmeckte, aber dennoch gut. Und beim Frühstück dann der Kopfschmerz sehr viel kleiner schon. Unter der Dusche weg, ganz weg. Und ich dann auch gleich weg, gleich weg, auf dem Heimweg eine kurze Rast und auch eine Marzipanrolle mit Kaffee in der Lieblingstankstelle und dann ganz schnell nach Hause, denn mir rückte ins Bewusstsein, hey, wir haben Neujahr 2, du musst was tun, Mädel, du musst was tun für den Elan und die Gesundheit und überhaupt. Mein innerer Schweinehund meldete sich und sagte, nee, nee, mach das nicht, du bist heute Abend noch verabredet und du wirst stehend einschlafen bei dem Konzert und überhaupt, du bist verkatert und müsstest erst mal ne Runde schlafen. Oder dich zumindest gemütlich ans Klavier setzen oder an die Gitarre und all die Ideen zu einem neuen Lied zu Papier bringen. Nein, nein, der innere Schweinehund, der sollte schweigen im Neuen Jahr, also sagte ich, hey Schweinehund, sei still, es ist Neujahr, und da muss man schwimmen, Neujahrsschwimmen nennt man das, und das wird jetzt gemacht, und ob du mitkommst oder nicht, ist mir egal, das wird gemacht und Punkt. Tausend Meter, gesagt, getan und ohne Schweinehund und dafür mit Chlorbrille und noch nicht mal eingeschlafen des Abends beim Konzert, wo es laut war und verraucht und eng und laut und verraucht.
Silvester 2, und Neujahr 2, und plötzlich machte es Sinn, dieses Weihnachtskonzert, eine Woche zuvor in der Provinz. Stille Nacht und Heilige Nacht, und wir hatten uns alle noch gewundert, weil doch Weihnachten nun wirklich schon viel zu lange her gewesen war. Doch da war dieser weihnachtliche Glanz in den Augen des Publikums und auch Maria durch ein Dornwald ging und mit das Schönste an dem Weihnachtskonzert war der Moment, in dem der Kollege mich hinwies auf den Schwenker, der da inmitten der Krippe vor uns stand. Nicht das Jesuskind war der Mittelpunkt, sondern der Schwenker, denn im Saarland wird geschwenkt und nicht gegrillt und er war sogar rot flackernd beleuchtet und mit zwei, drei Ringel Lyoner bestückt. Weihnachten 2, ja, eine Woche vor Silvester 2 und Neujahr 2, rückblickend machte es plötzlich doch noch Sinn, dieses verspätete Konzert.
Und demnächst steht uns ja der Valentinstag ins Haus, aber spätestens dann ist wohl Schluss mit diesen Doppelfesten und der fällt dann wohl einfach mal eher untern Tisch, würde ich sagen, dieser Valentinstag in diesem Jahr.

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Mittwoch, 14. Januar 2009
Fernsehzitat
"So sind se. Erst denkst du, es ist für immer, und dann lassen se einen einfach stehn."

Jaja...

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Mein Mikrowellentrauma
Der Schneemil blubbert im deckellosen Topf vor sich hin. Er wurde vorhin auf der Fahrt zur Schule von der Zweitklässlerin zu fest geknuddelt und gedrückt, daher hat er sich ungewollt aktiviert und wurde mir zur Wiederaufbereitung überlassen.
Ob das wohl auch in der Mikrowelle ginge? Immerhin ist der Schneemil ja ein geschlossenes Etwas, da muss man schon aufpassen. Bin dahingehend traumatisiert. Habe ich es schließlich doch schon einmal geschafft, eine Mikrowelle samt Inhalt in die Luft zu jagen.

Der Babytee sollte schnell noch kurz angewärmt werden vor unserem Ausflug. Die Zeit war knapp und der Flaschenwärmer bereits besetzt und alles war so hektisch und ich war auch irgendwie nicht so richtig bei der Sache und dachte nur darüber nach, ob das Saugerteil die Prozedur in der wohl Mikrowelle überstehen würde. Über dieser Frage vergaß ich vollkommen, auch daran zu denken, dass kein geschlossenes Behältnis je eine Mikrowelle von innen sehen sollte. Eigentlich wusste ich das nämlich. Und wurde auch bereits schon wenige Sekunden später durch einen lauten Knall wieder daran erinnert.
Die Mikrowellentür sprang auf und das zu einem kugeligen Etwas aufgeblasene Fläschchen flog einer Bombe gleich über den am Boden auf der Krabbeldecke stationierten Fünftklässer, der damals allerdings erst wenige Monate zählte, hinweg. Der Kindsvater im Nebenraum beendete unverzüglich sein Telefonat und eilte herbei. Für ihn hörte es sich an, als sei einer der Hängeschränke abgestürzt.
Sämtliche Flüssigkeit im längsseitig aufgeplatzten Kugelfläschchen war verdampft. Ein buntes Kabelgewirr schmückte den Innenraum des Mikrowellengeräts und seine vollkommen deformierte Tür ließ sich nie wieder schließen.

Der Anschaffung eines Neugeräts habe ich mich jahrelang verweigert und immer noch muss ich bei fast jeder Benutzung an den damaligen Vorfall denken.

Und den Schneemil lasse ich dann doch wohl lieber weiterhin im Topf.

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Sonntag, 4. Januar 2009
Entfernung
Der, den ich liebe,
denkt, dass ich lüge.
Und ihn betrüge.
Und geht.

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