Mittwoch, 25. Februar 2009
Die Du-Schnittstelle
Seltsam, wenn die anderen sich alle siezen und man selbst ist der Überraschungsgast und mit allen aus unterschiedlichststen Gründen per Du, und die siezen sich konsequent alle weiter, und man selbst hat rein sprachlich eine kleinere Distanz und fühlt sich dennoch nicht so richtig zugehörig, sondern wie ein Kind als Gast in der Welt der Großen.

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Per Pedes
Wenn man nach ich bin gelaufen sucht, landet man also bei mir. Hätte ich so jetzt nicht vermutet.

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Flashback
Im Autoradio die Musik von früher und plötzlich diese unbändige Lust auf Klammerblues tanzen auf der Klassenparty. Oh, wie ich ihn hasste, diesen Jungen, der neu in unsere Klasse kam. Gleich zwei Superlative musste ich an ihn abtreten. Ich war sowohl die Jüngste gewesen als auch die Letzte im Alphabet, und nun kam er, und er begann mit Z und sein Geburtstag war später noch als meiner, und ich konnte ihn nicht leiden und auch seine Späße nicht. Aber Klammerblues zu tanzen mit ihm genoss ich sehr. Eng umschlungen sich endlos mit ihm im Kreise drehen, denn er roch nach Milch, nach süßer Milch, sein ganzer Pullover roch danach oder vielleicht waren es auch die Haare. Mein Kopf an seiner Schulter, ganz nah, und er roch so gut, so süß, so weich, so friedlich.

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Dienstag, 24. Februar 2009
Ein Shoppingversuch
"Ist bei Ihnen alles in Ordnung mit den Größen oder darf ich Ihnen noch etwas bringen?"
Ein freundlicher Ton, dennoch macht mich diese Frage wütend. Eine Entweder-Oder-Frage, die sich so doch gar nicht beantworten lässt für mich. Für mich ist es eine Und-Frage. Nein, die Größen sind nicht in Ordnung, und nein, Sie dürfen mir auch nichts anderes mehr bringen. Denn ich habe bereits die größten Sachen, die bei Ihnen rumhängen, hier in die Kabine geschleift und die sind alle zu klein. Ok, die Hose nicht, die schlabbert sogar ganz komisch und wirft Falten, aber vor allem brauche ich ein Oberteil und ich bezweifle zudem stark, dass die Hose sich in einer kleineren Ausführung besser an mir machen würde.
Ach, Sie können mich mal alle! Und was sehe ich im Spiegel? Bauch, Bauch, Bauch!
Ein zweiter Versuch woanders läuft auch nicht besser.
Na, dann kauf ich mir wenigstens einen neuen Schlafanzug. Wer warm und kuschelig und lange schläft, nimmt nicht so leicht zu, habe ich mal gehört. Aber hey, in all den Teilen würd ich mich zu Tode frieren. Haben die denn keine Schlafanzüge für Leute, die niemanden zum wärmen haben in der Nacht? Und wo sind nur die guten alten Bündchen geblieben? Ohne die Bündchen rutschen die Hosen bei mir immer komplett nach oben. Ich mag nicht frieren, Mann, Mann, Mann!
Also ohne Schlafanzug nach Hause.
Und ohne Oberteil.
Verordne mir kiloweise Erdbeeren. Kann aber natürlich heute nirgends welche auftreiben.
Doof, doof, doof.

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Sonntag, 22. Februar 2009
Ein Spind in Trier und Nachwuchs im Streichquartett
Geige einräumen, aber vorher erst noch all diese Schachteln sortieren, die sich im Innern des Spindes stapelten. Oder waren es Zeitschriften? Die blonde Frau neben mir wartete geduldig, auch sie mit einem Stapel Zeitschriften oder Schachteln unterm Arm. Ich ahnte, dass sich meine Einräumerei endlos in die Länge ziehen würde. Da war dieses Kaugummi-Gefühl, das es in Träumen manchmal gibt. Als Kind hatte ich das oft. Dass ich morgens einfach nicht fertig wurde mit dem Anziehen und dann letzten Endes im Schlafanzug zur Schule ging. Saupeinlich war das, aber immer noch besser als gar nicht aufzutauchen. Im Traum wohlgemerkt. Jedenfalls erkannte ich, dass ich ja doch nicht fertig werden würde mit dem Sortieren all der Sachen im Spind, jedenfalls nicht in absehbarer Zeit, also sagte ich der blonden Frau, sie könne ruhig auch an ihren Spind, der direkt neben meinem lag. Das war zwar sehr eng, wie wir beide da hantierten, und so wurde ich erst recht nicht fertig, aber was konnte die arme Frau dafür, und so hantierten wir eben etwas umständlich umeinander herum mit unseren Schachteln, Instrumentenkästen und Zeitschriften. Ich erkannte sie als die Flötistin des Laienorchesters, in dem ich letztes Jahr zwei Mal als Aushilfe in letzter Minute eingesprungen war. Und siezte sie. Sie hingegen duzte mich, und mir wurde klar, dass ich sie verwechselt hatte, denn sie war eine Kollegin des Trierer Orchesters, mit dem ich gerade Probe hatte. Aha, das war also ein Trierer Theaterspind. Die blonde Du-Frau erzählte mir von einer Stelle, die demnächst bei ihnen im Orchester frei werden würde, eine Erziehungsurlaubsvertretung und ich tat interessiert, war es aber nicht.
Plötzlich hielt mir jemand von hinten die Augen zu, ich wurde herumgewirbelt und in die Höhe gehoben und eine begeisterte Männerstimme rief "Na, damit hättest du jetzt nicht gerechnet, dass ich dich abhole, ich bin's, der Harald, Überraschung, Überraschung!". Ich blickte in ein mir unbekanntes Gesicht. Erst auf den zweiten Blick erkannte ich ihn als den Vater eines Freundes des Fünftklässlers. Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen. In einiger Entfernung nahm ich einen anderen wahr, der wohl auch gekommen war, um mich zu überraschen, sich nun aber nicht mehr traute. Seine Gesellschaft wäre mir weitaus lieber gewesen. Harald hatte Topfpflanzen dabei, die er auf dem Boden abgestellt hatte zwischen einigen Einkaufstüten. Unklar blieb, ob die Topfpflanzen ein Geschenk für mich oder lediglich ein Teil seines Einkaufs waren. Gleich nebenan gab es einen Topfpflanzen-Fabrikverkauf und manche Mitarbeiter der Firma hatten einen Theaterspind angemietet.

Schnitt. Ein zweiter Traum. Streichquartettprobe. Statt unseres ersten Geigers war die Bratscherin da, die ab und zu bei uns einspringt, wenn unsere Bratscherin verhindert ist. Unsere Bratscherin war auch da, aber sehr in Anspruch genommen von der Tätigkeit, junge, schlafende Hundenwelpen hin und her zu wenden, damit sie sich nicht wundliegen. Die Cellistin half ihr dabei, insgesamt waren es drei Hunde. Die Welpen hatten kein Fell, ja nicht einmal eine schützende Haut, sie waren lediglich rohes Fleisch. Ich wurde darüber aufgeklärt, dass sie zwar aussähen wie Hunde, es aber Kinder seien, extreme Frühgeburten. Das erklärte dann auch, wieso ich die Schwangerschaft der Bratscherin nicht wahrgenommen hatte. Während ich im Stillen die Gesamtzahl ihrer Kinder zusammenrechnete, erfuhr ich, dass nicht alle drei Welpen der Bratscherin zugeordnet werden dürften, denn auch die Cellistin wäre eine Mutter dieser Kind-Hunde. Auf meine Frage, wer denn jetzt nun zwei Kinder bekommen hätte und wer nur eins, bekam ich keine Antwort, das war geheim. Die Cellistin erzählte von der Geburt und dass sie und ihr Mann gerade aus Mainz zurückkamen und sie wären besser direkt nochmal zurück nach Mainz gefahren, als es losging, und dort in die Uniklinik, aber ihr Mann meinte, das würde schon nicht so schnell gehen und sie würden es noch schaffen bis nach Saarbrücken, und sie meinte, das hätte sie nun davon, dass sie auf ihren Mann gehört hätte, irgendwo eine Hinterhofgeburt und man würde ja nun sehen, was dabei herausgekommen ist. Und wendete einen fleischigen Hund.

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